HELGE DIRK RIEDER

CEO, Managing Parter Design Strategy & Consulting

Diplom-Designer (FH) Helge Dirk Rieder – geboren 1971 in Stuttgart. Studium der Visuellen Kommunikation an der Fachhochschule Düsseldorf. Von 1995 bis 1999 freier Mitarbeiter und Artdirector für diverse Werbeagenturen in Köln, Düsseldorf und Bochum. Von 1996 bis 2005 bei der Nitsch Design GmbH als Creative Director maßgeblich für das Corporate Design der Deutschen Post AG, DHL, Postbank AG, McPaper AG und der ARAL AG verantwortlich. 1999 Gründung und Geschäftsführung von 804. 2013 Gründung von stay golden mit den Freunden und Geschäftspartnern Oliver Henn und Carsten Prenger. Aktuell (2018 – 2023) Studium der Wirtschaftspsychologie (B. Sc.) mit den Schwerpunkten Werbe- und Marktpsychologie, Sozialpsychologie sowie Arbeits- und Organisationspsychologie.

PERSONAL INTERVIEW

Warum bist du Designer geworden?

Nachdem ich als Kind meine Berufswünsche Astronaut, Kampftaucher und Geheimagent über Bord geworfen habe, war klar dass ich Grafikdesigner werden möchte. Als kleiner Bub habe ich gerne Konstruktionspläne und Anleitungen für Phantasiemaschinen gezeichnet, als Teenager dann für AD & D (Advanced Dungeons & Dragons) meine Charakter und Monster entworfen, die Abizeitung layoutet und während des Zivildienstes für befreundete Geschäftinhaber Logos, Flyer und Schaufensterbeklebungen gestaltet.

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Welche Rolle hast du bei stay golden?

Als Geschäftsführer bin ich neben der Kreativarbeit vor allem für die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung der Agentur und deren Geschäftsfelder, dem Verhandlungsmanagement sowie der internen und externen Prozessplanung und -optimierung verantwortlich. Auch die Entwicklung und Gestaltung unserer öffentlichen Präsenz über die diversen Medien (Website, Portfolios u.a.) liegt zum großen Teil in meinem Verantwortungsbereich.

Welche Bedeutung hat für dich Design?

Design ist omnipräsent. Wenn man den Begriff weit fasst – vom Atom bis zur Zahnbürste. Im Gegensatz zur Kunst, die sich selbst genügen kann. Es klingt ein wenig akademisch, aber ich verbinde Design mit Funktionalität und der Status Quo-Optimierung unter Berücksichtigung einer definierten Zielsetzung. Design kann den Menschen als Orientierungshilfe dienen und ihnen den Alltag erleichtern. Beides – Kunst und Design – tragen dazu bei, dass unsere Welt bunt und vielfältig ist. Design ist für mich immer ein Statement, die Entscheidung für eine bestimmte Form und Gestalt, die eine innere Haltung zum Ausdruck bringt.

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Seit wann bist Du als Grafikdesigner tätig? Erzähle mir etwas zu deinem bisherigen Werdegang.

Ich habe 1994 angefangen an der FH Düsseldorf zu studieren und bereits 1995 als Freelancer für die großen Agenturen gearbeitet. Ab 1996 habe ich dann mit Heiner Nitsch das Corporate Design der Deutschen Post AG (Privatisierung) und ihrer Tochterunternehmen (Mc Paper, Postbank, Danzas) entwickelt und diese Entwicklung über die Migration von DHL und der Deutsche Post WorldNet bis 2005 als Creative Director maßgeblich gestaltet. In dieser Zeit habe ich meine Leidenschaften für Typografie, Erscheinungsbilder und Markenarbeit entdeckt. Schon sehr früh in meinem Studium war mir klar, dass ich selbstständig sein möchte, mit einem eigenen Designbüro und habe dann 1999 mit meinem Freund und Kommilitone Oli das Designbüro 804© GRAPHIC DESIGN gegründet. Nachdem 2011 unsere ehemaliger Praktikant Carsten Partner wurde, haben wir uns aufgrund der inhaltlichen Weiterentwicklung unserer Geschäftsfelder entschlossen 2013 mit der stay golden GmbH neu zu gründen.

Worauf bist du im Hinblick auf stay golden besonders stolz?

Bei uns ist der Name stay golden (urb. engl. „bleibt dir treu“) Programm und „Haltung“ nicht nur eine hohle Phrase. Ich bin auf ganzer Linie Autodidakt und habe viele Lektionen durch Try ’n Error gelernt. Bei einigen Entscheidungen haben wir richtig geblutet und uns an den Rand unserer wirtschaftlichen Existenz gebracht. Daher bin ich auf unsere Entwicklung, die wir aus eigener Kraft und ohne fremdes (altes) Geld oder den Einfluss von Mentoren und Investoren vorantreiben, besonders stolz.  Ausserdem ist es einfach klasse, wenn man gemeinsam mit zwei guten Freunden ein Unternehmen führen kann. 

Erzähle mir von einem deiner erfolgreichsten Design-Projekte. Woran machst du diesen Erfolg fest?

Eine absolute Lieblingsarbeit habe ich nicht, eher mehrere, die durchaus Gemeinsamkeiten haben. Ich liebe es flexible Corporate Design Systeme zu entwickeln, die ein prägnantes Gestaltungssystem beinhalten und auch dann noch einen hohen Wiedererkennungswert besitzen, wenn eines oder sogar mehrere Designelemente, wie z.B. das Logo, oder sogar Farbe nicht eingesetzt werden (können). In dieser Hinsicht bin ich stolz auf das Corporate Design für die Sportschule Hennef, der Simonswerk GmbH, der Weinlounge VIINI (das leider nur für zwei Saisons Bestandteil der BayArena war) und das Erscheinungsbild für die Bergstation, einer Kletterhalle in Hilden. Der Erfolg eines Designprojektes hängt aus meiner Sicht zum großen Teil davon ab, ob der Auftraggeber den Wert von Design zu schätzen weiss, den Mut hat neue Wege zu gehen und unserer Kompetenz als Designer und Markenexperten vertraut. Alle vier oben genannten Projekte erfüllen diese Kriterien.
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Was würdest du unbedingt mal gestalten wollen?

Oh, da gibt es noch viel. Mein erster Gedanke – das Corporate Design inkl. Packaging für einen Hardcore-Outdoorausrüster oder – und das klingt vielleicht ein bisschen schräg – einen „Tactical Gear"-Hersteller wie z.B. 5.11 Tactical, CRKT, Kershaw oder KA-BAR. Bei den Produkten dieser Branche faszinieren mich die besonderen Material- und Produkteigenschaften. Ausserdem möchte ich gerne ein Erscheinungsbild für ein Museum oder Theater nebst dazugehörigen Broschüren und Ausstellungskatalogen entwickeln.

Print oder digital?

Print ist taktil und kann sinnlich sein. Print verpflichtet auch zur Sorgfalt, denn Änderungen können im Nachhinein nicht adhoc vorgenommen werden. Ich liebe die Beständigkeit, die Haptik und den Geruch von bedrucktem Papier. Es ist toll und wie eine Geburt, wenn man zum ersten Mal ein gedrucktes Werk, sei es ein Buch oder einen Katalog, nach einer langen Entwurfs- und Realisationsphase in den Händen hält. An der digitalen Arbeit schätze ich die Möglichkeiten der Interaktion, die Beweglichkeit und Flexibilität Informationen non-linear erfassen und strukturieren zu können. 
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Design und Werbung sind durchaus schnelllebige Bereiche. Wie stehst du daher zu kurzen Deadlines und ständig neuen Trends?

Informationen sind Teil unser Geschäfts. In unserer Branche ist es unabdingbar, sich permanent weiterzuentwickeln und dabei auch einen periphären Blick abseits des eigenen Elfenbeinturms zu werfen. Wie soll man sich eine Meinung zu einem Thema bilden, eine Einstellung entwickeln oder ein Urteil treffen, wenn man keine Ahnung von der Materie hat. Ok, keine Ahnung zu haben und trotzdem schlau daherzureden, mag in der Politik und oft auch im Marketing Alltag sein, für mich ist das inakzeptabel.  Da gerade auch im Design und in der Werbung permanent eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird, prüfe ich den Nutzen von Trends immer auf einer möglichst umfangreichen Faktenbasis, bevor ich in dieser Hinsicht selbst aktiv werde oder einem Auftraggeber eine „Massnahme" anrate.  Bezüglich Deadlines zitiere ich gerne das magische Dreieck „Kosten/Zeit/Qualität“. Das bedeutet, dass eine qualitativ hochwertige Arbeit in kurzer Zeit nur mit enormen Kosten zu realisieren ist. Und selbst dann sind Grenzen gesetzt, weil jedem erfolgreichen Designprozess eine gewisse Reifezeit innewohnt.

Wie bleibst du auf dem aktuellen Stand der neusten Werkzeuge und Trends?

Ich probiere immer wieder aus reiner Neugier neue Tools und Methoden aus und überlege ob diese für unseren Workflow hilfreich sein können. Im Moment lerne ich mich in die Adobe Creative Cloud Alternativen von Affinity ein. Tatsächlich bieten deren Programme Photo, Designer und Publisher sehr gute, teils bessere Optionen als die überteuerten und cloudabhängigen Adobe Klassiker. Mein aktuelles Buchprojekt setze ich ebenfalls in Affinity Publisher um.  Was Trends angeht, habe ich mir in einem Newsreader die wichtigsten Informationsquellen zusammengepackt. Als Bahnfahrer zwischen Köln und Düsseldorf habe ich viel Zeit zum Lesen und komme so auf 30 – 40 Bücher pro Jahr.

Du hast schon mehrere Wettbewerbe gewonnen. Was ist Dein „Erfolgsrezept“?

Hahaha, nach einem Erfolgsrezept suche ich selber noch. Ich glaube aber schon, dass man bei bestimmten Wettbewerben (vgl. TDC und red dot) – zumindest in der Rückschau – erkennen kann, welche Art von Arbeiten eher eine Chance haben. Am Ende ist neben der handwerklichen Qualität und der Originalität sicherlich auch eine Menge Glück dabei. Die Psychologie lehrt uns, dass der situative mentale und körperliche Zustand eines Menschen durchaus einen signifikanten Einfluss auf dessen Bewertungen (von was auch immer) haben kann. Hier und da, mutmaße ich mal, werden auch politische Gründe für oder gegen eine Arbeit sprechen und manchmal auch die persönlichen Vorlieben und Sympathien für eine bestimmte Agentur oder einen bestimmten Auftraggeber.

Du hast mit deinem Buddy und Managing Partner Carsten www.matter-of-design.com gegründet. Was steckt dahinter?

Carsten und mich vereint die Lust am Lernen und am Wissensaustausch. Bei uns beiden geht damit auch das Bedürfnis einher unser Wissen und unsere Erfahrungen zu teilen. Da wir uns für Design und Marketing als übergeordnete Disziplin gleichermaßen interessieren, war die Idee geboren beide Bereiche sinnhaft zusammenzubringen. MoD ist demnach ein Fachblog für Designer UND Marketeers, der sich mit marketingrelevanten Themen wie Markenbildung, Markensteuerung, Corporate Design, Webdesign, Unternehmenskommunikation, Technologie und Wirtschaft auseinandersetzt.
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Was machst du, wenn du nicht als Designer arbeitest?

Freundschaften pflegen und Sport, auch in Kombination. Ich stehe sehr früh auf und starte den Tag auf dem Spinning Bike und mit Krafttraining. Ansonsten bewege ich mich lieber in der Natur, sei es mit dem Mountainbike oder zu Fuss und besuche mit meiner Familie ebenso gerne mir noch unbekannte Städte. Meine alte Leidenschaft, den Kampfsport, übe ich aktiv nicht mehr aus. Aber ohne ein paar Roundhouskicks und Kombos, kann ich nach wie vor an keinem Sandsack vorbeigehen.

Wenn du ein Superheld sein könntest, welcher würdest du sein?

Batman. Der hat sich aus eigenen Kräften zum Helden gemacht, ist intelligent, hat hart trainiert, Entbehrungen in Kauf genommen und freiwillig Verantwortung übernommen – auch wenn er als reicher „Sohn“ eine gute Ausgangssituation hat und sich den ganzen Technikkram leisten kann. Er ist Licht und Schatten, Ying und Yang und kämpft oft gegen seine eigenen menschlichen Schwächen und Dämonen. Schaut euch dagegen Superman an. Der aalglatte Typ hatte einfach nur Scheißglück, dass er auf der Erde gestrandet ist und ihm die Sonne Superkräfte verliehen hat. Und dann heult er auch noch rum und kriegt sein Leben als Clark Kent nicht auf die Kette.